Wieso eigentlich „Bockmist“?

Notiz vom 13. Mai 2008 in Leben | 2 Kommentare

hughla
446 Seiten in weniger als 24 Stunden gelesen: Das sagt zwar noch lange nichts über die Qualität eines Buches aus, aber einiges über den Spaß, den ich beim Lesen hatte. Autor ist Hugh Laurie, der mir als bekennendem Dr. House-Fan ohnehin sympatisch ist, und „Bockmist“ ist sein erster und bisher einziger Roman. Warum man das Buch allerdings Bockmist nennen muss – der Roman erschien in Deutschland bereits 1997 unter dem Titel Der Waffenhändler – bleibt mir ebenso ein Rätsel wie die blaue Unterhose, die das Buchcover ziert. Aber der Heyne-Verlag hat sicher einen guten Grund dafür, die Titelgestaltung im Fahrwasser erfolgreicher Bücher vom Modell freigestelltes-Foto-auf-knalligem-Hintergrund-mit-ein-Wort-Buchtitel anzulegen (siehe z. B. Vollidiot, Feuchtgebiete, etc. ). Aber wer wird denn schon ein Buch nach seinem Cover beurteilen? Eben.

Worum es geht, ist schnell erzählt: Thomas Lang, Sicherheitsberater und unfreiwilliger Geheimagent, wird in eine Geschichte hineingezogen, bei der er nicht nur um sein Leben sondern auch um eine von zwei Frauen kämpfen muss, bis hin zum überraschenden (?) Ende. Entscheidend ist dabei das Wie: Hier hat jemand geschrieben, der Spaß am Formulieren hat, am Zitieren der Genre-Klassiker von Philip Marlowe bis James Bond (na gut, ein bisschen Bruce Willis ist auch drin) und an der dezenten, aber unübersehbaren Übertreibung. Ein Buch, für das man also gut gelaunt und entspannt sein sollte, denn der kritische Germanist würde wohl eher den Kopf schütteln. Egal: Ich war am Samstag gut gelaunt und habe Bockmist tatsächlich am Stück durchgelesen, die letzten Seiten am Sonntag Vormittag. Und wer noch die richtige Lektüre fürs Freibad oder das nächste verregnete Wochenende im Bett sucht, dem sei das Buch hiermit wärmstens ans Herz gelegt.

Ach ja, der Satz-aus-der-Mitte lautet:

Aus der Nähe ließen sich zwei Dinge über Mr Murdah sagen: er war nicht der Hausmeister, und der Glanz auf seinem Gesicht war Geld.

Gut gefallen hat mir aber auch dieser Absatz:

Zwischen Tür und Wand, in diesem unbeschreiblich engen Raum, saß eine junge Frau in einer zitronengelben Bluse an einem Schreibtisch mit Computer, Topfpflanze, Bleistiftbecher, Plüschtier und orangefarbenen Papierstößen. Es wollte mir nicht in den Kopf, wie jemand oder etwas in einem solchen Zimmer arbeiten konnte. Es war, als entdeckte man plötzlich eine Otterfamilie in seinem Schuh.
Falls Ihnen so was schon mal passiert ist.

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2 Kommentare

  1. b@ss
    14. Mai 2008

    Vielen Dank fürs Mund-Wässrig-Machen! – Da Du ja, wie ich weiß einen guten Musik- und Büchergeschmack hast, habe ich soeben einen Bestellvorgang ausgeführt!

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  2. markus
    14. Mai 2008

    Vorbildlich! Du wirst es nicht bereuen, ich bin sicher.
    Ist wirklich ein klasse Schmöker!

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