Luxus

Notiz vom 4. Februar 2007 in Leben | 1 Kommentar

Luxus?
Mir ist aufgefallen, dass meine Auffassung von „Luxus“ doch erheblich von dem abweicht, was man so allgemein darunter versteht. Die Wikipedia zum Beispiel spricht da ein klares Wort:

Luxus (v. lat.: luxus = Verschwendung, Liederlichkeit, (eigentlich) „üppige Fruchtbarkeit“) bezeichnet Verhaltensweisen, Aufwendungen oder Ausstattungen, welche über das übliche Maß (den üblichen Standard) hinausgehen bzw. über das in einer Gesellschaft als notwendig und – zum Teil auch – für sinnvoll erachtete Maß.

(„Üppige Fruchtbarkeit“ find ich besonders gut …) Nein, für mich stellt sich Luxus anders dar. Ich könnte es unter den Begriffen „Zeit“ und „Freiheit“ zusammenfassen: Der Gipfel des Luxuriösen ist wohl, frei entscheiden zu können, was ich wann tue und was nicht. Ohne ein ich-muss-aber-vorher-noch im Kopf zu haben, ohne schlechtes Gewissen, weil doch Termine drücken, Aufgaben längst überfällig sind oder andere Leute auf etwas warten. Vorübergehend lässt sich eine Pflicht auch mal ganz prima beiseite schieben, verdrängen oder vergessen, aber der reine Luxus ist das nicht, denn das schlechte Gewissen bleibt.
Während des Studiums habe ich es regelmäßig genossen, mich mitten in der Woche nachmittags mal ins Café zu setzen, einen ebensolchen zu trinken (siehe auch hier) und dies in dem vollen Bewusstsein, dass andere Leute jetzt arbeiten müssen. Herrlich. Das ist Luxus.

Noch seltener und deshalb viel kostbarer sind die Möglichkeiten, wirklich frei entscheiden zu können. Denn schließlich steht man nicht alleine in der Welt (Gott sei Dank). Da gilt es, Rücksicht zu nehmen, an andere zu denken, Verpflichtungen nachzukommen, Erwartungen zu erfüllen und – möglicherweise auch – seine Rolle zu spielen.

Ein ganz anderer Luxus hat zu tun mit der Frage: Was ist eigentlich „normal“? Ist es normal, dass alle gesund und gut drauf sind, dass man einen Job hat und ein Dach überm Kopf, gut verdient, keine Sorgen, die Kinder sind gut in der Schule, die Sonne scheint und das Essen steht auf dem Tisch? Sicher hat jeder seine eigene Wirklichkeit, für mich jedenfalls sind Dinge wie Gesundheit alles andere als normal. Ich denke, ein „normales“ Leben ohne gravierende gesundheitliche oder wirtschaftliche Probleme darf man mit gutem Gewissen als komfortabel, wenn nicht sogar luxuriös bezeichnen. Ein bisschen Bescheidenheit würde uns allen öfter mal gut zu Gesicht stehen (ja, mir auch).

Also: Was ist Luxus? Ich freue mich über sachdienliche Hinweise in den Kommentaren.



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1 Kommentar

  1. b@ss
    5. Februar 2007

    Sehr gute Frage! Sehr schwierige Frage. Wahrscheinlich ist wahrer Luxus, nicht über diese Frage nachdenken zu müssen…

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