Kaffee-Stöckchen

Notiz vom 15. Januar 2007 in Leben | 1 Kommentar

Prolog: Ich blogge doch gar nicht! Und trotzdem wirft mir Marc ein Stöckchen zu, zu einem Thema, über das man Romane schreiben könnte (wenn man unbedingt will). Also dann: Ich nehme es auf und rühre mal kräftig damit herum:
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Da denkt man an nichts böses, fragte sich gerade, ob man nun nochmal den Sartre zu Hand nähme oder doch lieber noch ein wenig durch den Winter, der ein Sommer sein will, flaniere, da plötzlich – ZACK! – ereilt einen die ehrenhafte Pflicht, über intimste Gewohnheiten Auskunft zu geben. Nun denn, dann soll es so sein:

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Während der Mensch als solcher und per se wohl Wasser und Brot für das absolut lebensnotwendige Minimum hält, so muss ich diese Liste um „Kaffee“ erweitern. Ganz klar. Wobei ich sicher nicht zur Gourmet-Fraktion gehöre, die nicht nur Namen und Stammbaum der Kaffeebohne ihres Vertrauens detailliert benennen kann, sondern auch Herkunftsort, Hanglage, Vornamen und Sozialversicherungsnummer des fair gehandelten Kaffeelandwirts, Bouquet, Abgang und vieles andere mehr. Nein, ich bin einer jener Kampf-Kaffeetrinker, die ihre Krups ProAroma an die Zeitschaltuhr hängen, damit nicht eine einzige müßige Sekunde zuviel zwischen dem unvermeidlichen Aufstehen und dem ersten Schluck Kaffee liegt. Dann erst kann – Auge in Auge mit der ersten Lucky des Tages – ebenjener beginnen. Schrecklich, ich weiß. Ein Teufelskreis. Aber man kann den Tag auch viel, viel schlechter anfangen.

Bevorzugtes Gefäß ist übrigens einer der ungezählten „Pötte“ im Küchenschrank, die sich schon am frühen Morgen redlich bemühen, mich durch ihr individuelles Dekor aufs köstlichste zu unterhalten, denn keiner von ihnen sieht aus wie der andere. Während ich mich also nun am täuschend echten STEINWAY-Schriftzug (glänzend gold auf glänzend schwarz) ergötze, den die Tasse des Tages mir mit stolzgeschwellter Brust entgegenstreckt, werde ich langsam wach und komme ebenso langsam in Bewegung.

Der Arbeitstag wird begleitet von weiteren Tassen Filterkaffee aus einer Rowenta Soundso, die ich aber nicht weiterempfehlen kann, da der Kaffee in der Alukanne augenblicklich kalt wird, wenn man ihn nicht sofort in die Thermoskanne umfüllt.

Nun hat sich seit einiger Zeit eine Saeco Talia Giro neben das Arbeitstier von Krups gesellt. Durchaus imposant, was dieses Koffein-Kraftwerk so veranstaltet: vom Getöse des Mahlwerks über das Gezische der Düse, die in die Milch pustet bis hin zum letzten Geschmacksatom, das sich – frisch gemahlen und unter der Last von 15 bar – ins Kaffeeglas fallen lässt. Die kann es mit dem, was ich mir bei jeder sich bietenden Gelegenheit gerne mal unterwegs servieren lasse (Cappuccino, Macchiato, usw.) durchaus aufnehmen.

Aber der Gipfel der Genüsse ist zweifellos der „große Milchkaffee“. Und zwar in einer Schale, die so groß ist, dass man auch einen Säugling darin baden könnte. Und die man daher unbedingt mit zwei Händen halten muss. Wunderbar. Der Milchkaffee hat darüberhinaus auch den großen Vorteil, dass man ihn mühelos schreiben kann, ohne ´ Akzent oder `Akzent, ohne doppeltes „c“ oder sonstige mediterrane Sprach-Extravaganzen. Herrlich.

Und was mach ich nun mit meinem Stöckchen, wo ich doch gar nicht blogge? Hm, ich glaube, ich werde es behalten; werde es ab und zu in die Hand nehmen und über die 3.183 Anschläge nachdenken, die ich mit diesem Text zu einem der edelsten Themen zusammengefügt habe, über die man überhaupt schreiben kann.

Viele Grüße,
markus
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Und damit gebe ich das Stöckchen weiter an Deef und an Florian: Wie trinkt ihr euren Kaffee?



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1 Kommentar

  1. b@ss
    15. Januar 2007

    Hurra! Chillerstadt hat das Stöckchen im Sprung gefangen und blogt! Sehr schön geworden! Was Stöckchen werfen doch so alles bewirken kann…

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