Das Satz-aus-der-Mitte Bücherrätsel

Notiz vom 16. September 2007 in Leben | 10 Kommentare

buch
Ja, super, heute gibts was zu gewinnen: Über den Anfang eines Buches, den jeweils ersten Satz, sind schon ganze Bücher geschrieben worden, ebenso darüber, wie man ein Buch beendet; famous last words kann man sogar auf CD kaufen. Aber was ist mit der schweigenden Mehrheit, den zahllosen Sätzen irgendwo in der Mitte eines Buches? Unzitiert, ungeliebt, irgendwo zwischen Anfang und Ende, in der Dunkelheit zwischen den Buchdeckeln, gelesen, vergessen, ein Trauerspiel. Aber damit ist jetzt Schluss.

Ich zitiere jeweils einen Satz aus der Mitte der letzten fünf Bücher, die ich gelesen habe und ihr müsst herausfinden, aus welchem Buch der Satz stammt. Ganz einfach. Wer eine richtige Lösung (es müssen nicht gleich alle fünf sein, eine wär’ schon mal gut) in die Kommentare schreibt, gewinnt nicht nur meine uneingeschränke Hochachtung, sondern hat darüber hinaus die einmalige Möglichkeit, von mir ein Buch geschenkt zu bekommen, das ich zweimal habe. Der Gewinner wird von mir willkürlich bestimmt, der Rechtsweg ist selbstverständlich ausgeschlossen, ebenso der Linksweg, und der „goldene Mittelweg“ ist sowieso was für Flaschen.

Und los geht’s mit einem Buch, das mir dabei geholfen hat, während der Sommerpause die Zeit am Pool rumzukriegen:

Alles vermischt sich: die Länder, die Menschen, die Jahre, die Körper.

Das war einfach, gell?
Und weiter geht’s:

Sie saßen draußen, im Garten, an der weißgekalkten Mauer, und auf der Mauer stolzierte eine dicke weiße Katze, und es war, als wären sie nicht in Prag.

Sehr schönes Buch!
Das nächste Buch ist vom Umfang her schon ein Mittelgewicht, liest sich aber fast von alleine:

Man liest immer von alten Leuten, die einsam sind, dachte er, immer ist die Rede von alten Leuten, wenn es um Einsamkeit geht, und die werden dann von ihren Kindern ins Altersheim gesteckt, dachte er, dabei ist eine Kaserne auch nicht besser, und dann hat man keine Freunde, die einem helfen, da wieder rauszukommen.

Ein Buch aus der Kategorie A:

Sie liebten italienische Opern, Treibhausorchideen, Skilanglauf.

Ja, der war nicht so einfach. Muss man aber wirklich lesen.
Und last (not least):

No, I won’t ask you about the Bobbsey twins because I just got a smart book – »KingKong, Spock, & Drella – A Lexicon of American Trivia« – which has it all.

So, und jetzt lehn ich mich zurück und warte gespannt auf die richtigen Lösungen. Ihr könnt es aber auch gerne mit den falschen probieren, das macht eigentlich noch viel mehr Spaß.



Weiterlesen:

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10 Kommentare

  1. Götz
    16. September 2007

    Habe auch noch ein Zitat:

    „Fragend hockte er vor dem neonkalten Monitor seines Laptops, hörte „Heaven & Hell“ und frug sich, was zum Teufel in seinen alter Kumpel gefahren sein mochte, dessen Buchzitate er noch nicht mal im Ansatz kannte.“

    Schwer, oder?

    Reply
  2. b@ss
    16. September 2007

    Grandiose Idee! Sensationell die Umsetzung. Aber wie, lieber Markus, hast Du den Satz in der Mitte bestimmt?! Sätze gezählt? Im Doppelblindverfahren? Unter notarieller Aufsicht?

    Gut, ich mache den Anfang und rate wild drauf los. Vielleicht eher assoziativ:

    Buch 1: Das ist einfach! Das interne Mitarbeiterbuch des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. – Schleierhaft, wie Du da dran gekommen bist, aber tolle Urlaubslektüre bei Einschlafstörungen. Der Satz danach ist dann allerdings brisant: „Neben der Auswahl von geeigneten Heimtieren ist es die Pflicht des Facheinzelhändlers, eine artgerechte Unterbringung und Versorgung zu gewährleisten, was selbstverständlich auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten gilt.“

    Buch 2: Bei Prag denkt man reflexartig an Kafka oder Milan Kundera. Ich denke seit diesem Sommer an Maxim Biller und sein Buch „Liebe heute“. Maxim Biller hat ja bis zu seinem 10. Lebensjahr dort gelebt, von daher bin ich mir gar nicht mal so unsicher…

    Buch 3: Mttelgewicht ist natürlich ein Hinweis. Allerdings weiss man ja nicht, ob Du die gebundene oder die Taschenbuchausgabe gelesen hast. Langer Satz zudem. Nach Thomas Mann, der Altmeister der verschachtelten Sätze war, hat das Martin Walser auch ganz gut drauf. Allerdings fehlt dann die indirekte Rede. Also doch nicht Walser. Also: Alexander Kluge: „Artisten in der Zirkuskuppel – ratlos“. Oder – auch denkbar – vom gleichen Autor: „Anwesenheitsliste für eine Beerdigung“.

    Buch 4: Kategorie A. Ja, das glaube ich. Der Satz ist allein schon eine Offenbarung. Da mir allerdings alles drei nicht sonderlich zusagt, schätze ich mal: “ G’schichten aus der Geschichte. Bayern von der Steinzeit zu Stoiber“ von Gorg Lohmeier.

    Buch 5: Offensichtlich die englische Übersetzung eines Buches über einen Afghanischen Freiheitskämpfer, z.B. Ahmad Shah Massud. Könnte aber auch von Woody Allen sein: „Pure Anarchie“.

    Welches Buch hast Du eigentlich doppelt?

    Reply
  3. markus
    17. September 2007

    @ Götz:
    Ja, echt schwer. Ich gebs zu.

    @ Marc:
    Satz in der Mitte finden ist ganz einfach: Bei einem Buch mit z. B. 630 Seiten habe ich mir einen schicken Satz von Seite 315 ausgesucht. Fertig.

    zu 1:
    Verdammt nah dran, aber völlig falsch.

    zu 2:
    Das ist schon unfassbar gut. Eigentlich ganz richtig. Ich frag mal die Jury, ob wir das so gelten lassen können.

    zu 3:
    Nein. Ganz anders.
    Ich geb einen Tipp: Im zweiten Teil der Erzählung (die allerdings früher erschien), sind die Sätze noch länger und das „dachte er“ kommt noch viel öfter.

    zu 4: Uiuiuiui, das ist echt ganz woanders.
    Ebenso 5.

    Aber ich bin schwer beeindruckt, wie analytisch und investigativ du rangehst. Klasse!

    Ja, und es ist wirklich schwierig.

    Das Buch, das ich doppelt habe, ist übrigens die 4, also ein echter Kategorie A Leckerbissen.
    Viele Grüße,

    Reply
  4. b@ss
    17. September 2007

    Gut, dann halte ich mich jetzt mal vornehm zurück und überlasse das Feld den Literaturkennern der Blogossphäre. – Und die Jury brauchste gar nicht zu fragen…ich habe nur zurückgerechnet: Erscheiunungsdatum x Seitenzahl, geteilt durch vergangene Tage in Stunden + Kalenderwochen seit Kollaboration, daraus die Quadratwurzel und das Ergebnis alphanumerisch umcodieren nach der Heinzelmann-Zahlenfeld-Methode: Chaostheoretisch ergibt sich die richtige Lösung… – War also eher ein Zufallstreffer… – war allerdings auch ein gut gewählter Satz…

    Reply
  5. Götz
    17. September 2007

    Ich bin raus. Steig‘ noch nicht mal durch die Kommentare. Dachte, das wäre ne MuckerSite.

    Reply
  6. markus
    17. September 2007

    Ach komm, jetzt tu nicht so. Du hast mich z.B. schließlich überhaupt erst auf den Lem gebracht. (Nein, der ist bei den fünfen nicht dabei.)

    Verrat lieber mal, was deine letzten Bücher waren, würd mich echt interessieren. Ich muss da mal wieder ein bisschen den Anschluss an dich finden … 8)

    Reply
  7. Götz
    17. September 2007

    Lese ja auch nur im Urlaub (außer dem letzten Harry Potter) und das ist schon wieder ewig her, aber gut:

    Richard Ford – Der Sportreporter
    Malcolm Gladwell – blink
    Steve Wozniak – iWoz

    Und ganz neu:

    Paul Auster – Reisen im Skriptorium

    Reply
  8. markus
    18. September 2007

    Bei Wozniak fällt mir ein: Ich hab vor einiger Zeit die Steve Jobs Biografie von Jeffrey Young als Hörbuch gehört, immer so häppchenweise, im Auto. Sehr interessant!

    Reply
  9. b@ss
    18. September 2007

    ad 2: warum hast Du uns eigentlich die dicke weiße Katze, die auf der Mauer stolzierte, vorenthalten?! – Das Buch kann man so ja garnicht erkennen… 😉

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  10. markus
    18. September 2007

    Ups, sorry.
    Hab die dicke weiße Katze jetzt ergänzt.

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