An eine, die vorüberging

Notiz vom 9. April 2007 in Leben | Kommentieren?

Der Straßenlärm betäubend zu mir drang.
In großer Trauer, schlank, von Schmerz gestrafft,
Schritt eine Frau vorbei, die mit der Hand gerafft,
Den Saum des Kleides hob, der glockig schwang.

Anmutig, wie gemeißelt war das Bein.
Und ich, erstarrt, wie außer mich gebracht,
Vom Himmel ihrer Augen, wo ein Sturm erwacht,
Sog Süße, die betört, und Lust, die tötet, ein.

Ein Blitz … dann Nacht! – Du Schöne, mir verloren,
Durch deren Blick ich jählings neu geboren,
Werd ich in Ewigkeit dich erst wiedersehn?

Woanders, weit von hier! zu spät! soll’s nie geschehn?
Dein Ziel ist mir und dir das meine unbekannt.
Dich hätte ich geliebt, und du hast es geahnt!

Baudelaire_sign
Dieses Gedicht von Charles Baudelaire ist vor ungefähr, hmm, neun oder zehn Jahren auf meinem Schreibtisch gelandet. Und es ist hängengeblieben (im Kopf, nicht auf dem Schreibtisch).
Eigentlich allerhöchste Zeit, mal mehr von ihm zu lesen, z.B. hier oder gleich hier. Und alles Gute zum Geburtstag, Monsieur!



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